Schlagfertigkeit im beruflichen Alltag – eine wichtige Kompetenz
Wer kennt das nicht, Dein Kollege oder auch die Kollegin belegt dich in einer Sitzung mit einer frechen Bermerkung – scheinbar humoristisch gepackt – und dir fällt keine schlagfertige Antwort ein. Du ärgerst dich darüber, dass du den Angriff wie schon so oft nicht abwehren konntest. Dass dies nicht nochmals passiert, dafür soll es Abhilfe geben, zumindest vermittelt dies die Münchner Trainerin, Verhandlungsexpertin und Coach, Claudia Kimich. Selbst in einem männlich geprägten Umfeld, nämlich der Informatik, sozialisiert, wo sie als eine der wenigen Frauen immer wieder mit frauenentwertenden Bemerkungen zu kämpfen hat(te), hat sich Kimich in der Folge schlagfertiges Parieren angeeignet. Diese Kompetenz gibt sie nun in Seminaren, Vorträgen und Coachings speziell für die Zielgruppe Frauen weiter. Zuletzt geschah dies bei der monatlichen EWMD-Netzwerkveranstaltung der Regionalgruppe Bayern am 23.5. d.J., bei dem Kimich in einem interaktiven Vortrag sehr anschaulich Tipps und Ratschläge für schlagfertige Antworten gab.
Die Tatsache, dass uns bestimmte Bemerkungen gewissermaßen schachmatt setzen, erklärt Kimich mit dem Mechanismen des „Eisbergsmodells“. Bemerkungen zu unserer Person treffen uns auf der Beziehungsebene. Das Explosionspotenzial bei Killerphrasen liegt auf der Ebene unter Wasser, nämlich den verletzten Gefühlen. Da gibt es kaum Möglichkeiten diese auf der Sachebene zu widerlegen. Insofern rät Kimich dazu, gar nicht erst zu versuchen, sich auf der Inhaltsebene zu rechtfertigen, da dies sicherlich nicht funktionieren wird. Wie fast immer auf der Beziehungsebene geht es hier allenfalls nachrangig um die Sache. Insofern ist die einzige Möglichkeit, dem Gegenüber in adäquater Weise kontra zu geben, über die Rechtfertigungsfalle hinweg zu steigen. Dies ist nach Kimich lern- bzw. trainierbar genauso wie ein Muskel. Allerdings gibt es keine für alle Menschen in gleicher Weise geltende Regel. Denn während die einen auf „Hau Drauf – Ich bin der Stärkere“ Phrasen (Mein Gott sind Sie wieder emotional) emotional reagieren, können diese die anderen völlig kalt lassen. Diese Menschen fangen dann womöglich bei den „Veränderungsangsthasen“ Phrasen“ (Das haben wir schon immer so gemacht!) an, sich zu rechtfertigen oder sind bei den „Schlaubischlumpf“-Phrasen schachmatt (Das siehst du aus einem völlig falschen Blickwinkel). Insofern ist es wichtig, sich darüber bewusst zu werden, mit welchem Typus von Phrasen man nicht umgehen kann.
Als mögliche Antworten auf Killerphrasen empfiehlt Kimich beispielsweise Gegenfragen zu stellen, etwa ein einfaches „Warum“, oder auch bewusst zu machen, dass hier gerade eine Killerphrase gefallen ist und man nicht gewillt sei, darauf einzugehen. Wieder eine andere Möglichkeit bestehe in der Versachlichung der Antwort in Form einer kurzen Zustimmung oder auch Richtigstellung, beispielsweise: Du bist schuld. - Ok. Ich habe kein Problem mit Schuld, können wir dann mit dem Thema weitermachen. Humor und ironische Versachlichung ist für die meisten Menschen die erstrebenswerteste Variante: cool, lässig und auch noch witzig. Leider fällt uns das meistens nicht ein. Vorsicht geboten ist bei Gegenangriffen, denn da sollte man fähig sein, mit dem möglichen Echo auch umgehen zu können.
Hilfreich im Alltag ist – nach Kimich - das Anlegen einer Liste mit Bemerkungen, auf die man keine Antworten gefunden hat. Irgendwann später fällt einem schon eine Antwort dazu ein, die dann beim nächsten Mal platziert werden kann.
Weitere Tipps zum Thema finden sich auf der Homepage, www.Kimich.de
Erika Pircher (conSalis Entwicklungsberatung)
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