Die Aktuelle EWMD-Studie mit repräsentativen weiblichen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern zeigt, was Erfolg fördert und hemmt.
Selbstbewusstsein, Durchsetzungskraft und Durchhaltevermögen sowie eine strukturierte Karriereplanung sind wichtige Voraussetzungen, damit Frauen eine Führungsposition einnehmen und auch auf Vorstandsebenen bestehen können. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das internationale Management-Netzwerk EWMD (European Women’s Management Development Network) und die Helga Stödter-Stiftung in Kooperation durchgeführt haben.
Anders als in vergleichbaren Studien betonten die Frauen, die an der vorliegenden Studie teilgenommen haben, dass ein bedingungsloser Rückhalt von Partner, Familie und Freunden sowie ein aktives Netzwerken den beruflichen Weg nach oben erheblich erleichtere. Auch die Fähigkeit zum Perspektivwechsel sowie Effizienz im Arbeitsalltag und Fachwissen im Finanzbereich seien Voraussetzungen, um an der Spitze eines Unternehmens bestehen zu können. „Vertrauen zu schaffen sowie Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen im Blick zu haben“ waren weitere Aspekte, die die Top-Managerinnen als wichtig bezeichneten.
Als besondere Hindernisse auf dem Weg ins Top-Management gaben die interviewten Karriere-Frauen an: das traditionelle Weltbild mit Männern in Führungspositionen sowie die fehlenden Möglichkeiten, Beruf und Privatleben/Familie gelungen in Einklang zu bringen. Das zeige sich etwa in starren Arbeitszeiten und einem mangelnden Angebot an qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsmöglichkeiten, besonders vor dem Kindergartenalter.
Während etwa bestehende Studien de facto mangelnden Mut und Durchsetzungsfähigkeit bei Frauen als „karrierehemmend “ bezeichnen, fehlt nach Einschätzung der interviewten Frauen den Frauen eher der Glaube an den Erfolg und das Zutrauen in ihre Fähigkeiten als die Fähigkeiten selbst. Auch gehe es nicht darum, „typisch männliche Eigenschaften“ zu kopieren und sich selbst zu verleugnen, sondern im Gegenteil darum, sich selbstbewusst treu zu bleiben. Das Fazit: Frauen sollten mehr Mut haben und authentisch bleiben.
Studie als Mosaik-Stein für mehr Frauen im Top-Management
Die Studie ist Teil des EWMD-Projektes „WomenONBoard“, das Unternehmen vom „Mixed-Leadership-Potenzial“ überzeugen will. Dies geschieht nach Aussage der Initiatorin Gabriele Hantschel, Managerin IBM Deutschland und Vorstandsvorsitzende der Helga-Stödter-Stiftung zur Förderung von Frauen für Führungspositionen, am effektivsten durch Veränderungen, die von der Unternehmensspitze durchgesetzt werden. Dazu gehört zum Beispiel, eine positive Work-Life-Kultur im Unternehmen zu integrieren, die internen Prozesse im Hinblick auf Beurteilungs- und Karrieremanagement transparenter und flexibler zu gestalten und die Karriereplanung von Frauen aktiv zu unterstützen. Dafür sei es auch wichtig, weibliche Vorbilder in Unternehmen verstärkt sichtbar zu machen und die Prozesse zur Förderung von Frauen mit Hilfe einer so genannten „Gender Scorecard“ auf ihre Effektivität zu überprüfen und zu dokumentieren.
Das EWMD-Projekt hat ferner zum Ziel, den Nominierungsprozess sowie die Kriterien für Vorstands- und Aufsichtsratsmandate transparenter zu machen. „Dem Ziel der Studie kommt nun auch die Regierungskommission des Corporate Governance Codex entgegen“, so Gabriele Hantschel. „Diese vom Bundesministerium für Justiz eingesetzte Kommission will die bisherige Diversity-Empfehlung für deutsche Aufsichtsräte mit dem Ziel konkretisieren, den Anteil von Frauen in deutschen Aufsichtsräten nachhaltig zu erhöhen.“
EWMD: Förderung von Frauen im Management
Projektleiterin Carola Eck-Philipp, EWMD-Vorstand, betont: „Die Studie ist ein weiterer Mosaik-Stein auf dem Weg, die Präsenz von Frauen im Top-Management zu erhöhen.“ Auch für die eigenen Aktivitäten sei die EWMD-Studie sehr wertvoll: „Die Ergebnisse helfen uns, unsere Arbeit noch gezielter auszurichten. Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu vergrößern, müssen wir wissen, welche Faktoren die Aufstiegschancen begünstigen beziehungsweise verschlechtern“, so Eck-Philipp.
Das rund 800 Mitglieder starke Management-Netzwerk EWMD unterstützt Frauen in Führungspositionen, setzt sich für eine bessere Work-Life-Balance im Management ein und fördert die Sichtbarkeit von Managerinnen in Wirtschaft und Gesellschaft. Der EWMD verfügt bereits seit Jahren über ein eigenes Mentoring-Programm, in dem erfahrene Führungskräfte Berufsanfängerinnen bei der Karriereplanung und beruflichen Entwicklung unterstützen. „Mit den Studienergebnissen lassen sich das Management-Netzwerk und das Mentoring-Programm durch Frauen aktiv für die eigenen Karrierepläne nutzen“, ist Dr. Sibylle Gruner, Managerin in einem der weltweit größten Chemiekonzerne und Vorstandsvorsitzende von EWMD Deutschland, überzeugt.
Zum Studienhintergrund
Die Umfrageergebnisse decken sich mit anderen Studien zum Thema Frauen und Karriere − etwa von McKinsey, der Frauenzeitschrift Brigitte, von der Deutschen Bank Research sowie mit Aussagen der WoMenPower-Studie. Diese und andere ausgewählte Studien der vergangenen vier Jahre wurden zum Vergleich hinzugezogen und ausgewertet.
Für die aktuelle Studie wurden Fragebögen an alle weiblichen Vorstände und Aufsichtsräte der 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschickt, mit einigen von ihnen wurden zudem ausführliche Interviews geführt. Die Befragung wurde konzeptionell als qualitative Sozialforschungsstudie angelegt. In die Fragbögen integriert waren daher offene Fragen wie „Welche Kompetenzen kommen Ihrem Erfolg besonders zugute?“ „Wie haben Sie Ihre jetzige Position erreicht?“ Die Auswertung erfolgte anhand der Antworten von Frauen aus dem Top-Management.
Angelika Krämer, Projektmitarbeiterin und Lehrbeauftragte der Universität Köln zu den Ergebnissen: „Unsere leitfadenorientierten, offenen Fragen ließen mehr Raum für individuelle Antworten als gängige Befragungen. Das hat zu diesen aussagestarken Ergebnissen geführt.“
Download der Pressemitteilung unter: http://www.ewmd-deutschland.de/26.html
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Projektleitung der Studie: Carola Eck-Philipp (eck-philipp@online.de).

