20 Jahre EWMD AUSTRIA: „Das Netzwerken hat sich gelohnt!“

20 Jahre EWMD AUSTRIA: „Das Netzwerken hat sich gelohnt!“

  • 1994 Gründung von EWMD Austria in Linz
  • 5 starke Österreich-Chapter mit 120 Mitgliedern
  • Aufbau stärkt und schweißt zusammen
  • Netzwerken will gelernt sein

(Linz, 27. April 2014) EWMD Austria, 1994 in Linz gegründet und Teil des internationalen Netzwerkes zur Förderung von Frauen in Führungspositionen, feiert mit einem prominent besetzten Diskussionsabend sein Jubiläumsfest in Oberösterreichs Landeshauptstadt. Der einhellige Grundtenor am Podium und im Plenum: Netzwerke sind wichtig. Sie stärken den Rücken, geben Mut und helfen kräftig mit am Weg in die Chefetagen – wenn man sie richtig zu nutzen weiß.

Über 200 geladene  Gäste waren in die Redoutensäle an der Linzer Promenade gekommen, um das Jubiläum eines jungen (und immer noch als ein bisschen elitär geltendes) Netzwerkes zu feiern: Erfolgreiche Frauen mit dem starken Willen zur Platzierung in der 1. Reihe ließen die letzten zwei Jahrzehnte ihres Engagements Revue passieren und stellten unisono fest: Es hat sich gelohnt!

Was 1994 mit einem kleinen Grüppchen in Linz begann, hat sich für Netzwerke dieser Art unglaublich professionell entwickelt. 20 Jahre sind nicht viel im Vergleich zu den traditionellen Clubs mit ihren Jahrhunderte langen Traditionen.

Die EWMD-Chapter in Linz, Wien, Salzburg, Graz und Tirol sind zu starken und stärkenden Gemeinschaften zusammen gewachsen, die den ursprünglichen Gedanken konsequent und erfolgreich in ihren beruflichen Positionen forcieren und voran treiben. Die Netzwerke geben Kraft und Mut, sie stärken den Rücken und helfen in der Argumentation, wenn es darum geht, im eigenen Unternehmen Frauen für Führungspositionen zu qualifizieren und vor allem auch zu nominieren.

EWMD-Mitglieder sind sich einig und stark unterwegs. Schwieriger wird es in der Überzeugungsarbeit außerhalb.

Über den und das Nutzen von Seilschaften

Was macht den Unterschied zwischen den Geschlechtern aus? Wer sind die besseren NetzwerkerInnen?

EWMD Austria-Gründungspräsidentin Ingeborg Rauchberger, Managerin des Jahres 2000, Managementtrainerin, Coach und  Autorin, bringt es in ihrem Eingangsstatement auf den Punkt: „Wir gehen anders mit den Netzwerken um.“

  • Frauen sind sehr nutzenorientiert und hinterfragen ständig Vorteil und Gewinn. Frauen haben aufgrund ihrer Mehrfachbelastung ein kleineres Zeitkontingent, mit dem es hauszuhalten gilt. Frauen nehmen sich weniger Zeit von ihrer Freizeit für die eigenen Belange. Netzwerken ist wichtig, aber Luxus pur – das schlechte Gewissen bleibt, die Vorteile von guten Seilschaften werden kaum oder gar nicht professionell genutzt. „Dennoch“, so Rauchberger, „ein Netzwerk ist wie eine Bank – ich muss zuerst einzahlen, um später etwas rauszubekommen – ein Netzwerk lässt uns wachsen, beruflich wie auch privat“.
  •  Männer hingegen hinterfragen ihre Entscheidung nach dem Entschluss nicht mehr. Männer stehen zu ihren Clubabenden und dem Recht auf die damit beanspruchte Zeit. Und sie wissen ihre Seilschaften perfekt zu nutzen – beruflich wie privat wird Unterstützung eingefordert und gewährt.

Ursula Maier-Rabler, Senior Researcher, University of Salzburg hat sich in ihrer Funktion als EWMD Austria Präsidentin nach wie vor die Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsetagen von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kunst auf die Fahnen geschrieben.

Es gäbe nichts zu beschönigen - von ein paar Vorzeigeausnahmen abgesehen –hat sich die Situation von Frauen in Führungspositionen in Österreich in den vergangenen 20 Jahren nicht wirklich dramatisch verbessert. Gesamtgesellschaftlich ist das Thema unverändert brisant. Zeit für einen Paradigmenwechsel? Das Motto des heutigen Abend deutet das ja schon an, indem die gängigen Modelle der Frauenförderung hinterfragt werden.

EWMD Austria möchte bei diesem Paradigmenwechsel eine führende Rolle in Österreich einnehmen. Es ist Zeit, den Defizitansatz in der Frauenpolitik hinter sich zu lassen. Es geht nicht darum, die Defizite von Frauen im Bereich von Führung und Management durch gezielte Förderung aufzuzeigen, sondern es geht darum, die Führungsetagen „fit“ für Frauen zu machen!

Empowerment - GoodLife - und - Vernetzen sind die Schlagworte, die uns dabei leiten, so die EWMD Austria Präsidentin.

Stichwort EMPOWERMENT:

Hinter dem Konzept von Empowerment steht jedoch weniger ein Förderprinzip, sondern das Einfordern selbstverständlicher Rechte von Frauen. Es geht um Stärkung von Frauen, sich die ihnen zustehenden Rechte in allen Bereichen der Gesellschaft zu holen - und im Falle von EWMD eben "das Recht auf gleichberechtigten Anteil an den Führungsaufgaben in Wirtschaft, Politik, Kunst und Wissenschaft" - und wie wir längst wissen: zum nachgewiesenen Vorteil für die gesamte Gesellschaft.

Stichwort GOODLIFE:

Zeit zu haben, Wert auf ein glückliches Familienleben zu legen, nicht rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen, werden im Kreise der Führungselite ( und zwar von Männern und Frauen gleichermaßen) als karrierehemmend gesehen. EWMD möchte dem  - durchaus weiblich determinierten - Prinzip des GOODLIFE zum Durchbruch verhelfen: und zwar für eine bessere Zukunft von Frauen UND Männern. Denn nur wenn die Männer als Addressaten von Genderpolitik mitgedacht werden, kann eine wirkliche Gleichstellung erreicht werden. Und erste Erkenntnisse über Lebensziele und Werte von jungen Männern machen mich da durchaus optimistisch.

Stichwort VERNETZUNG:

Wir leben in einer Netzwerkgesellschaft. Gemeinsam sind wir stark ist immer schon ein Erfolgsrezept gewesen. Heute, in Zeiten von Internet und globaler Vernetzung ist das EinzelkämpferInnen-tum auf jeden Fall zum Scheitern verurteilt. Selbst Konkurrenzunternehmen kooperieren um die jeweiligen strategischen Ziele besser zu erreichen. Wissenstransfer, teilen von Erfahrungen und verbinden von Vielfalt ist die Grundlage eines erfolgreichen Netzwerkes. Und genau das machen wir bei EWMD.

„Wie ist Frauenförderung zeitgemäß?“

Darüber diskutierte eine bunt gemischte Runde am Podium unter der Moderation von EWMD-Mitglied Christine Haiden,Chefredakteurin „Welt der Frau“, Präsidentin des OÖ Presseclubs, Managerin des Jahres 2008 und Autorin – mit recht unterschiedlichen Erfahrungshintergründen und Erwartungshaltungen.

Die Architektin Judith Eckl plädiert für Familienförderung anstelle Frauenförderung. Frauenförderung, so die junge Architektin, sei nicht mehr zeitgemäß: „Noch nie in der Geschichte waren die Frauen so gut ausgebildet wie heute, sie verfügen über ein selbstbewusstes Frauenbild und wissen um ihre Rechte.

Gabriele Zuna-Kratky, Geschäftsführerin Technisches Museum Wien, widerspricht dem Bewusstsein der jungen Frauen ‚ich will nicht gefördert werden, ich bin ja nicht behindert’:    „Es lohnt sich, die historische Entwicklung der Frauenbewegung nachzuvollziehen. Erst dadurch zeigt sich, an welchem Punkt wir derzeit stehen, was schon alles erreicht wurde und wo es noch viel zu tun gibt. Es braucht bewusstseinsbildende Maßnahmen sowie unterstützende (internationale) Netzwerke privat wie auch beruflich, um als soziales Wesen im Sinne von GOOD LIFE leben zu können!

Tractive-Gründer Michael Hurnaus, bekannt für sein Tier-GPS, steht für den modernen Mann: „Ob Flexibilisierung, Mobilisierung oder Globalisierung, alle Prozesse beinhalten eine permanente Beschleunigung. In immer kürzeren Zeitintervallen entsteht Neues. Auch die berufliche Biographie ist nicht mehr auf eine lebenslange Arbeitsstelle gebunden, sondern orientiert sich an ein gegenwärtiges Projekt“, so Hurnaus.

Anders sieht das VKB-Marketingchef Werner Wawra: „Es gibt noch genug Männer, die sich über Frauennetzwerke lustig machen.“ Ein Umdenken sei dennoch erfolgt. Wawra ist davon überzeugt, dass Diversity – eine gute Mischung von Frauen und Männern im Unternehmen, vor allem in den Führungsetagen – unumgänglich ist, um erfolgreich zu sein bzw. zu bleiben.

NR-Abgeordnete Claudia Durchschlag„synchronisiert“ sich inihren Grußworten mit dem Input der IT-Professorin und EWMD Austria Präsidentin Ursula Maier-Rabler: „Gesamtgesellschaftlich sind Frauen in Führungsetagen kaum sichtbar, es braucht nach wie vor starke Maßnahmen sowohl in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als auch im gesellschaftspolitischen Diskurs der Rollenbilder.“

Vizebürgermeisterin Karin Hörzing gratulierte zum Jubiläum und betont, dass Frauenförderung zeitgemäß sei: „Frauen gehören in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt - mehr Mut zu haben, sich einer beruflichen Herausforderung zu stellen“, so Hörzing.

Ein Blick zurück

Zehn engagierte weibliche Führungskräfte trafen sich vor genau 20 Jahren im Hotel Courtyard by Marriott in Linz und schlossen mit der Vereinsgründung von EWMD Austria eine Lücke in der Österreichischen Lobbyismus-Szene: Mitglieder mit Fach- oder Führungsverantwortung setzen sich zum Ziel, die Stellung weiblicher Führungskräfte zu fördern und Frauen zu ermutigen und zu ermächtigen, verantwortliche Positionen on top anzustreben und anzunehmen.

Dabei geht es nicht um die Umkehr der Verhältnisse, sondern vielmehr um Akzeptanz, um Respekt, um die freie Wahl der Entscheidung und den partnerschaftlichen Dialog. Es geht um die Aufweichung von Vorurteilen in der Gesellschaft und in den Top-Etagen gegenüber Frauen im Management, um Mut und Selbstbewusstsein von Frauen für die Bekleidung von Top Etagen. Und es geht um gesellschaftlich akzeptierte Rahmenbedingungen für die Wahrnehmung der familiären Pflichten auch von Männern.

Ein Blick in die Zukunft

Den Blick aus wissenschaftlicher Sicht in die Zukunft skizzierte Reinhold Popp, Experte für Zukunfts- und Innovationsforschung am Institut Future der Exzellenzuniversität Freie Universität Berlin, Mitherausgeber der wissenschaftl. Fachzeitschrift „European Journal of Future Research“:

„Mit welchen Anforderungen und Erwartungen sehen sich erfolgreiche und glückliche Frauen und Männer durch die gesellschaftlichen Veränderungen bis 2034 konfrontiert?“

Stichwort: DIGITALISIERUNG 2034

Die explosionsartige Digitalisierung gehört zu den zentralen Signaturen unserer Zeit. Bis 2034 werden unsere digitalen Lebensbegleiter immer leistungsfähiger, immer kleiner, immer vernetzter sein. Mit dem „elektronischen Butler James“ sind wir überall verfügbar, so Popp. Butler James steuert den beruflichen und privaten Alltag – eine Schnittstelle zwischen Individuum und dessen Konsum-, Wohn-, Arbeits- und Freizeitwelt.

Stichwort: ZEITWOWOHLSTAND 2034

76.000 Stunden, ein Zehntel unseres Lebens, verbringen wir im Beruf. In diesen 10 % müssen wir die finanzielle Wertschöpfung für die restlichen 90% unserer Lebenszeit erarbeiten. Die komplementären Leistungsexzesse (beispielsweise Workaholismus) der Erfolgsmenschen des ausgehenden 20. Jahrhunderts bedürfen einer Veränderung. Das Streben nach einer Balance zwischen den teilweise gegensätzlichen Anforderungen von Beruf und Privatleben gewinnt an Bedeutung. Familienkompatibilität und aktive Gesundheitsfürsorge anstelle von bloßer Krisenintervention wird  zum Standard – auch für Unternehmen.

Des Weiteren fordert vor allem die nachberufliche Lebensphase, welche knapp 25 Jahre dauern wird, eine mehrperspektivische Vorsorge mit einer nachhaltigen Kombination von materieller, gesundheitlicher, sozialer und mentaler Zukunftssicherung. 

Stichwort: ARBEITSWELT 2034:

…der Erfolg des Wirtschaftsstandorts Österreich resultiert aus einem guten Mix von vielfältiger Produktion, die etwa ein Viertel der wirtschaftlichen Wertschöpfung erzielen wird, und einer Vielzahl von Dienstleistungen, so Popp.

Flexibilität (Arbeitsorganisation, -orte, -zeiten: Flexicurity) wird in einer Zeit allseits beschleunigten Entwicklungen überlebensnotwendig. „Mobil sein“ jenseits der räumlichen, beruflichen und sozialen Ortsveränderung mit zunehmende Erschließung aller kognitiven, sozialen, ästhetischen Potenziale unserer Gesellschaft. Innovationsbereitschaft und ein fortwährendes Navigieren und Neupositionieren wird für Individuen wie Organisationen, für das Selbstmanagement wie das Produktmarketing unverzichtbar. Es genügt nicht, gestern die/der Beste gewesen zu sein – am Update für übermorgen muss heute schon gefeilt werden.

Nachhaltigkeit in den Unternehmenskulturen

EWMD-Frauen gehen mit gutem Beispiel voran. Und zeigen, dass immer mehr Frauen den Weg nach oben schaffen: durch Austausch und Weitergabe von Erfahrungen, durch Kommunikation mit Entscheidungsträgern und mit der Veröffentlichung erfolgreicher Beispiele werden lautstarke Signale gesetzt. 

Durch die Vernetzung von ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Entwicklung sowie regionaler und internationaler Corporate Members gelingt es den Netzwerkerinnen, die Förderung von Frauen in Führungspositionen in österreichischen Unternehmen voran-zutreiben. EWMD engagiert sich für mehr Chancengleichheit in der Gesellschaft, für eine ausgeglichene Nachhaltigkeit im Management für Frauen und Männern sowie für neue Karrierewege für Frauen und Männer, die die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben für beide Geschlechter ermöglichen. Dabei geht es neben gezielten Förderprogrammen zunehmend um die generelle Veränderung von Unternehmenskulturen und um die Neubewertung von karrierespezifischen Werthaltungen im Sinne von Lebensqualität für Frauen UND Männer gleichermaßen.

Über EWMD (European Women´s Management Developement Network):

EWMD ist ein internationales Netzwerk zur Förderung von Frauen in Führungspositionen mit derzeit ca. 900 Mitgliedern in 14 Ländern. EWMD hat individuelle Mitglieder sowie über 20 globale Unternehmen als Firmenmitglieder. Diese Corporate Members sind Unternehmen und Organisationen, die als Mitglieder die Ziele von EWMD zur Förderung weiblicher Führungskräfte unterstützen.

EWMD Austria umfasst die Chapter Linz, Wien, Salzburg, Graz und Tirol mit mehr als 120 Mitgliedern aus allen Branchen, Berufen und Organisationen.

Ein herzliches Dankeschön den Sponsoren: Land Oberösterreich; Frauenreferat des Landes Oberösterreich; Oberösterreichische Versicherung; VKB Bank; Linz AG; Siemens VAI; Rubblemaster; Reichl und Partner; Mafi Naturholzboden; Magistrat der Stadt Linz; Kulturamt der Stadt Linz; Lumper-Wiesinger Gegensteuern GmbH; Sachspenden: Suchan Kaffee; Konditorei Cafe Leo Jindrak

Ein Danke auch an die Eventagentur THE CREW FOR YOU für die perfekte Organisation.

Rückfragen bitte an:

Traude Wagner-Rathgeb, Präsidentin EWMD Linz

0664/811 1464 -  president.linz@ewmd.org

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